Irrlichterloh – A. Geiger

melanieHochsommer in einer Großstadt, die zwar vermutlich relativ jede Großstadt sein könnte (unter der Voraussetzung, dass Dom und dazugehöriger Domplatz vorhanden sind), mich jedoch von Beginn an ausgesprochen stark an Wien erinnerte. Jonas – quasi der personifizierte Leichtsinn auf zwei Beinen – der tagsüber Verkehrsschilder designt, um ebendiese nachts zu verunstalten, kommt von einer seiner nächtlichen Umtriebe nach Hause, als er bemerkt, dass ihn seine Freundin Ann-Kathrin wort- und rücksichtslos verlassen hat. Doch nicht nur das: während sich Jonas (noch) nichts ahnend auf die Suche macht nach ihr und dem mit ihr verschwundenen Bild des rauchenden Mädchens, das er ihr einst geschenkt hatte, hat sich Ann-Kathrin mit Caspar Zelzer, der – wie sollte es auch anders sein – gleichzeitig auch Jonas´Chef in der Schilderfabrik ist, und dem Bild, welches vermutlich von nicht unwesentlichem Wert ist, bereits über alle Berge gemacht. Und was bleibt da einem Jonas, der seine Ann-Kathrin an einen derartigen Heuchler zu verlieren droht, zu tun übrig? – Er stiehlt erstmal ein Motorrad mit Beiboot von einer Hochzeitsgesellschaft, um seiner fliehenden Geliebten direkt zu folgen – natürlich.

„Trotzdem, in manchen Momenten ist es einfach besser, etwas Falsches zu tun als gar nichts.“

Fazit: Unbeschreiblich, wie kunstvoll Arno Geiger es hier geschafft hat, eine vorerst so banal klingende Geschichte so überaus ästhetisch zu verarbeiten.
Im Fokus steht natürlich die Liebe, auf deren Suche sich die Figuren begeben, um sich dabei ein Stück weit selbst auch näher zu kommen.
Und immer wieder das Bild. Das Bild des rauchenden Mädchens als Metapher für? Vermutlich für so einiges, und nicht zuletzt vermutlich auch als Inbegriff des Wertes, den die unterschiedlichen Figuren dem Bild beimessen. Ob das Bild – geschenkt aus Liebe – auch einen ebenso hohen Geldwert einbringen kann?
Wie der Titel – ein wahrlich gelungenes Wortspiel – bereits erahnen lässt, sind es vor allem die Widersprüche und die scheinbar falschen Entscheidungen des Protagonisten Jonas, die den Roman so außerordentlich machen. Einen enormen Beitrag dazu liefert natürlich vor allem auch die Sprache, welche durch ihre Metaphern zwar durchaus oftmals verwundert, aber ebenso gleichsam begeistert.
Schön, einfach nur schön!

Persönliche Bewertung: ✪✪✪✪ 4/5

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: