Alles was glänzt – M. Gamillscheg

In großen Städten passieren täglich Unfälle – Autounfälle, Sportunfälle, Arbeitsunfälle, Unfälle mit Sachschaden, schwere Unfälle, Unfälle, bei denen Menschen sterben… Irgendwo passiert immer etwas.

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„In der Stadt wäre das nichts,
aber hier, bei uns,
das trifft uns direkt ins Herz.“

Als am Montagmorgen Martins Leiche aus dem Wrack des völlig verbeulten Auto gezogen wird, steht selbst der Polizist unter Schock. Hier im Dorf kennt jeder jeden.
Und jeder kannte folglich auch Martin. Mit Martins Tod beginnt nun jedoch, im Dorf etwas in die Gänge zu kommen. Wie aus dem Nichts erscheint plötzlich Regionalmanager Merih, der eine Initiative zur Abwanderung ins Stadtzentrum und dessen Wiederbelebung starten möchte, und Teresa merkt außerdem, dass nicht nur das Gleichgewicht der Stadt nicht mehr stimmt, als sich ihre Zwillingsschwester aufmacht in die Großstadt, sondern auch, dass etwas im Inneren des Berges sich verändert und diese Veränderung immer weiter voranschreitet…

Kunstvoll beschreibt die Autorin die Geschichte eines Dorfes, welches seine besten Zeiten bereits längst hinter sich hat, wo es niemals wieder so sein wird, wie es früher war, als noch große Feste gefeiert wurden, zu denen sich das ganze Dorf traf und der rote Knopf im Schaubergwerk noch funktionierte. Zentral dabei sind die Gegensätze zwischen Stadt und Land, mit welchen sich die einzelnen Figuren aus unterschiedlichen Perspektiven konfrontiert sehen.
Ebendiese Thematik und die perspektivenreichen Schilderungen fand ich besonders spannend, da ich auch selbst ursprünglich aus einer ländlichen Gegend umrundet von Bergen komme und schließlich erst für mein Studium in die Stadt gekommen bin.
Der Roman zeigt sehr authentisch, wie dieses Gefühl, das auch viele jungen Menschen vom Land in große Städte zieht, allgemein in der Bevölkerung zu spüren ist, wie die Bewohnerzahlen allmählich sinken, das Stadtinnere immer leerer und verlassener wirkt, während nach und nach dagegen anzukämpfen versucht wird, indem – wie auch im Roman – der Stadtkern wiederbelebt und attraktiver gestaltet werden soll.
Vielleicht ist es primär auch mein persönlicher Bezug zur Thematik, der meine Begeisterung für diesen Roman ausmacht. Die große Stadt, die vielen Menschen, der Juwelier und die große Uhr, an der man auf Menschen wartet, während die Straßenbahn an einem vorüberfährt, erinnerten mich sogar ziemlich  stark an den Hauptplatz in der Grazer Innenstadt. – Ob es sich hier jedoch um bewusst eingesetzte Details der Autorin, die ja tatsächlich ursprünglich aus Graz stammt, handelt, lässt sich nur vermuten.
Bemerkenswert ist aber auch der Schreibstil, der – trotz dessen, dass er an manchen Stellen vielleicht auch etwas nüchtern wirken könnte – genügend Freiraum für die eigene Fantasie lässt, immer wieder Sätze, Phrase einfach abbricht und in welchem häufig zeitliche Sprünge dominieren.

 

Fazit: Eindeutig ein sehr gelungener erster Roman der Autorin, auf den hoffentlich noch viele weitere folgen werden!

Persönliche Bewertung: ✪✪✪✪ 4/5

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