Wir sagen uns Dunkles – H. Böttiger

Von der „einzigen und großen Liebe“ schreibt Ingeborg Bachmann in ihrem
Erzählungsband Simultan wie von den zwei berühmten Königskindern, denen es nie bestimmt sein wird, zusammen zu kommen. Dieses Bild verwendet Helmut Böttiger sehr treffend am Ende seiner Doppelbiographie über Ingeborg Bachmann und Paul Clean. Vermutlich aber ist Doppelbiografie ein etwas zu umfassender Begriff, denn Wir sagen uns Dunkles zielt vielmehr darauf ab, das Verhältnis ziwschen Bachmann und Celan, von welchem die Öffentlichkeit so lange nicht das Geringste erfahren hatte, zu beleuchten.

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Unsystematisch abwechselnd werden in 14 Kapitel unterschiedlicher Länge mal Bachmann, mal Celan und mal die Verbundenheit der beiden in den Vordergrund gestellt.

Glücklicherweise bin ich in meinem Germanistik-Studium nicht darum herum gekommen, mich auch mit diesen beiden so außergewöhnlichen Mitgliedern der Gruppe 47 auseinanderzusetzen. Und trotz dessen, dass ich an Lyrik im Allgemeinen eher weniger interessiert bin, ergriff mich bald eine Faszination, die sich nicht primär auf deren Dichtung sondern vielmehr auf die Personen  dahinter, Bachmann und Celan selbst, bezog. Denn Interpretationsansätze und mögliche Deutungen der Werke beider gibt es nahezu wie Sand am Meer und auch Biographien gibt es mittlerweile bereits zahlreiche. Umso mehr stellte ich mir schließlich selbst nach und nach die Frage, wie denn dieses Liebesverhältnis, diese so leidenschaftliche Liebe zwischen Bachmann und Clean, die über so viele Jahre hinweg andauern sollte, so lange Zeit unentdeckt bleiben konnte?

Helmut Böttiger liefert darauf chronologisch klar strukturiert und in leicht verständlicher Sprache (und zum Teil auch mit Fotografien) Antworten, die vom Kennenlernen der beiden über den Briefwechsel bishin zu Celans Selbstmord reichen. Vor allem hebt er dabei immer wieder diese Kommunikation zwischen Celan und Bachmann, welche über die Literatur, über einzelne Gedichte erfolgte, hervor, bietet Interpretationsansätze und gibt Aufschluss über den jeweiligen Kontext.

Fazit: In jeder Hinsicht lesens- und wissenswert – auch für die, die (noch) keine Bachmann oder Celan—Fans sind!

Persönliche Bewertung: ✪✪✪✪✪ 5/5

 

Vielen lieben Dank an dieser Stelle an den Verlag für das Rezensions-Exemplar!

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