Meine deutsche Literatur seit 1945 – M. Reich-Ranicki

Eine besonders zu empfehlende Darstellung der Literatur nach 1945, die ebenso unterhaltsam wie interessant zu lesen ist, ist Marcel Reich-Ranickis „Meine deutsche Literatur seit 1945“. Herausgegeben vom Professor für Neuere Deutsche Literatur in Marburg Thomas Anz, ist dies eigentlich genau FullSizeRender 2.jpggenommen eine Sammlung von Beiträgen, Essays und Kritiken Reich-Ranickis über die wichtigsten bzw. bedeutendsten Autoren seit dem Jahr 1945.

Marcel Reich-Ranicki ist nicht nur aufgrund seines Ansehens als Literaturkritiker bekannt, auch kennt man ihn durch das „Literarische Quartett“, eine Sendung in ZDF und ORF, in welcher Literatur besprochen wurde, bei deren Produktion er in den Jahren 1988 bis 2001 sowie 2005 und 2006 mitwirkte.
Geboren in Polen und aufgewachsen in Berlin wird er aufgrund seiner jüdischen Konfession in ein Warschauer Ghetto deportiert. Nach Deutschland kehrt er erst 1958 wieder zurück, wo er auch erstmals als Kritiker einer Tagung der Gruppe 47 beiwohnt – zahlreiche weitere Teilnahmen folgen in den Jahren danach. (Dass er die Zusammenkünfte der Gruppe mitsamt deren Konventionen der Literaturkritik durchaus kritisch betrachtete, ist auch dem zweiten bis vierten Kapitel von „Meine deutsche Literatur seit 1945“ zu entnehmen.) 

„Solange es eine deutsche Literaturkritik gibt, so lange zweifelt sie an sich selber. Und stellt immer wieder sich selbst in Frage.“ (S.40)

Ab 1960 war er als Literaturkritiker bei der Zeit, ab 1973 als Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung tätig. Reich-Ranicki gilt wohl als der prominenteste Literaturkritiker der Bundesrepublik Deutschland, veröffentlichte seine Rezensionen und Essays in zahlreichen Büchern und verfasste schließlich 1999 seine erfolgreiche Autobiographie Mein Leben. 2013 verstarb er im Alter von 93 Jahren in Frankfurt am Main.

In seinen Essays und Kritiken, die Thomas Anz in „Meine deutsche Literatur seit 1945“ gesammelt herausgibt, zeichnet Reich-Ranicki jeweils Porträts der ausgewählten Schriftsteller, die für ihn auf die eine oder andere Art und Weise besonders aus der Geschichte der Literatur hervorstechen. Nicht unwesentlich dabei ist mitunter auch das WIE, denn durchaus öfter schlägt ein polemischer Ton durch, wenn er beispielsweise Christa Wolf als „gesamtdeutsche Mahnerin vom Dienst“ bezeichnet, deren Literatur er als „gut gemeint“ und zunehmend „blasser und geschwätziger“ darstellt. (S.462 f.)

Sicherlich kann jedem einzelnen der teils auch relativ kurzen Kapitel mitunter auch eine Form der Wertung und Bewertung unterstellt werden, legitimiert durch die Nennung einzelner Werke, Passagen, Aussagen oder anderer Zusammenhänge – sehr oft mit einer Portion Humor und mittels amüsanter Wortwahl und nicht immer ganz ohne einen Funken Sarkasmus.
Durchaus interessant ist auch die Anordnung der Essays: der Herausgeber geht dabei chronologisch im Bezug auf die zentralen Thematiken der jeweiligen Essays ein und ordnet die Artikel schließlich inhaltlich chronologisch an, damit auch dem Leser die zeitliche Orientierung bzw. Eingliederung leichter fällt. Die tatsächlichen Daten der Veröffentlichungen mitsamt genauer Quellenangaben findet man im Anhang des Buches nachstehend der Literaturhinweise und der editorischen Notiz.

Dieses Werk, das man wohl durchaus auch als „Sammlung“ bezeichnen könnte, ist bestimmt keine Lektüre für Zwischendurch und ist auch weniger dafür geeignet, am Stück gelesen zu werden. Und natürlich ist die Lektüre mancher Kapitel, mancher Essays lediglich dann sinnvoll, wenn man das besprochene Werk kennt, gelesen hat oder sich zumindest dafür interessiert – Ist dies jedoch der Fall, ist eine Lektüre in jeder Hinsicht bereichernd und mitunter durchaus auch ziemlich unterhaltsam!

Eine bereichernde Darstellung der Deutschen Literaturgeschichte ab 1945, die ich jedem und jeder, der/die sich mit den Größen der Literatur der Nachkriegszeit befasst, ans Herz legen möchte!

Persönliche Bewertung: ✪✪✪✪✪ 5/5

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