Der Sinn des Lesens – P. Steinz

Im Vorbeigehen eigentlich wurde ich kürzlich in der Buchhandlung auf dieses besondere Buch aufmerksam. Der Sinn des Lesens klingt natürlich unmittelbar interessant für jemanden wie mich – das Buch sei ein „Plädoyer für die Literatur und ihren Sinn für das Leben“ verrät der Klappentext – also kam es natürlich auch direkt mit nach Hause.3

Dieses Buch des Niederländischen Redakteurs, Buchkritikers und Autors Pieter Steinz, der 2013 die Diagnose erhielt, an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS erkrankt zu sein und der relativ genau drei Jahre danach verstarb, erschien bereits im Jahr 2016. Ursprünglich unter dem Reihentitel Lesen mit ALS in einer Tageszeitung publiziert, entstand aus den Zeitungs-Beiträgen schließlich im Frühjahr 2016 dieses Buch.
In 52 relativ kurzen Essays (von je 3 bis 4 Seiten) lässt der Autor den Verlauf ab der Prognose, vermutlich nicht mehr all zu lange Zeit unter kontinuierlich ansteigenden Beeinträchtigungen leben zu können, Revue passieren. Jedes Kapitel, jeden Essay und somit auch jeden Abschnitt der Krankheit setzt er in Verbindung mit je einem literarischen Werk, in welchen er sich und seine Situation in einigen Aspekten oder zumindest in Anklängen wieder findet. Nicht ohne Sarkasmus tut er dies sehr häufig, wenn doch auch stets ein Gefühl des der-Krankheit-Ausgeliefertseins mitschwingt.

Als Leser begleitet man den Autor auf einem Weg, der weit mehr ist als eine Krankheitsgeschichte; es ist vielmehr ein Rückblick auf das Leben eines Mannes, das von der Lektüre von Büchern wesentlich geprägt wurde. Erinnerungen, wann ein Buch zum ersten Mal gelesen wurde beispielsweise, in welcher Situation, welchem Kontext, geben Einblick in das Leben des Autors.
Die Bücher scheinen somit auch Erinnerungsgegenstände für den Autor zu sein, mit denen er bestimmte Situationen und Erinnerungen assoziiert – und damit auch unmittelbar das Leben:

Wenn man glücklich ist, möchte man ewig weiterleben, so wie man auch möchte, dass ein tolles Buch niemals aufhört

Der letzte Eintrag, der zweiundfünfzigste, datiert mit 8.August 2015 erfolgte ziemlich genau ein Jahr vor dem Tod des Schriftstellers.

Für mich war es unglaublich berührend zu lesen, wie es einen Menschen in einer solchen Situation tatsächlich ergeht, welche Gedanken aufkommen, wenn man so plötzlich wie der Autor von einer solchen Diagnose getroffen wird. Den wahren Sinn des Lesens  hat Pieter Steinz offensichtlich tatsächlich für sich gefunden; Und dieser ist durchaus um einiges vielfältiger und persönlicher, als man zunächst annehmen könnte.

Es ist ein Buch, das mitunter durchaus Unterhaltung bietet, teils sogar zum Lachen bringt und neue Perspektiven auf große, bekannte sowie auch kleine eher unbekannte Werke eröffnet; über das Erinnern und das Abschied-nehmen während des Versuches, alles noch Bleibende so gut wie nur möglich auszukosten.

 

 

 

 

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