Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden – G. Kawamura

Wie würde unsere Welt aussehen, wenn von der einen auf die andere Sekunde alle Katzen von der Welt verschwinden würden? Wenn sie plötzlich einfach weg wären und nicht wiederkehren würden? Was würde sich verändern, wie würde sich dein und das Leben aller anderen Menschen verändern?IMG_5464

Der Protagonist in Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden sollte ich genau diese Fragen stellen:
Schon länger geplagt von Unwohlsein und Kopfschmerzen, erfährt er eines Tages, dass er unter einem unheilbaren Hirntumor im Endstadium leidet und ihm somit lediglich einige wenige Tage zu leben blieben. Als dem Protagonisten nun plötzlich aus dem Nichts der Teufel erscheint und ihm einen Angebot unterbreitet, das sein Leben verlängern könnte, kann er dieses wohl kaum ablehnen. Die Bedingung: Jeden Tag, den er länger leben möchte, muss er sich für eine Sache, ein Ding, irgendetwas auf der Welt entscheiden, das verschwinden sollte. Doch worauf kann die Menschheit schlichtweg  verzichten, was könnte jeder Mensch wohl  so einfach entbehren – ohne, dass jemand dabei ernsthafte Verluste zu verzeichnen hätte?
Der Pakt mit dem Teufel gestaltet sich schließlich dann doch gar nicht so einfach, wie er es sich anfangs vorgestellt hätte, denn wie schon seine Mutter einst gesagt hatte: „Erst wenn man etwas verliert, weiß man es zu würdigen.“
Also was nun, wenn angenommen der geliebte Kater, oder beispielsweise alle Uhren von der Welt verschwänden? Wenn manche Dinge einfach aufhören würden, da zu sein? Wäre dies denn überhaupt denkbar?
Wenn er die Uhren verschwinden ließe, was wäre dann der Mensch ohne die Einteilung von Zeit in Minuten und Stunden, was wäre der Mensch ohne die Regeln, die uns die Zeit vorgibt?

„Regeln bedeuteten einen Verlust von Freiheit. Ja, wir gingen sogar so weit, uns die Wächter über unsere Unfreiheit an die Wand zu hängen, (…) sie überall dort anzubringen, wo es etwas zu tun gab.“

Und so verschwanden vom einen auf den anderen Tag plötzlich alle Uhren von der Welt…

Dies ist eine wunderbare Geschichte, die als Metapher für so Vieles im Leben steht; sie regt an, sich Gedanken zu machen darüber, was im Leben wirklich zählt, was uns wirklich wichtig ist und was hingegen ohne weiteres auch ganz plötzlich von der Welt verschwinden könnte, ohne, dass dies gravierende Unterschiede zur Folge hätte. Es ist ein äußerst (gesellschafts-)kritischer Aspekt, der zwischen all der Ironie, den sarkastischen Zügen, und der surrealen Handlung hervorsticht. Der Roman setzt sich nicht nur mit einer Sinnfrage im Bezug auf Besitz und Verlust aueinander, sondern nimmt auch die Frage auf, was auf dieser Welt den Menschen ausmacht.

„Wahrscheinlich hatte alles auf der Welt einen Sinn. Filme, Musik, Kaffee, eben alles. Selbst Dinge, deren Existenz unwichitg erschienen, hatten Bedeutung für die Welt. Was macht denn einen Menschen aus, wenn nicht die zahllosen Dinge, die ihn geprägt haben?“

Bestimmt kann man diese Geschichte auf vielerlei Weisen deuten und auslegen, denn sie bietet genügend Freiraum, sich selbst Gedanken zu machen. Mich persönlich hat dieser Roman tatsächlich einige Tage nicht losgelassen, immer wieder gingen mir Gedanken durch den Kopf, was wohl wäre, wenn die eine oder andere Sache aus meinem Leben verschwände –  wie würde ich damit klarkommen, oder würde ich überhaupt damit klarkommen? Was würde sich für mich verändern, wie würde mein Leben dann aussehen?

Fazit: Dieser Roman ist eine wunderschöne Verarbeitung von tiefgründigen Aspekten auf einer Ebene, die mit Sicherheit auch philosphisch unbegeisterten/ uninteressierten Menschen zugänglich ist. – Auf jeden Fall eine Bereicherung für jedes Bücherregal! 

 

Persönliche Bewertung: ✪✪✪✪ 4/5

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